Unsere Kirche

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Der Name                                                                                                                                                                          

Dieses Gotteshaus trägt wie seine Vorgänger den Namen „Unserer lieben Frau“, ist also der Maria geweiht. Diese Namensgebung hat hier die Reformationszeit überdauert.

Lage und Areal                                                                                                                                                      

Die Kirche liegt auf einem Bergsporn unterhalb des Schlosses und dürfte in dieser Verbindung wohl als Wehrkirche konzipiert worden sein. Anstelle des 1782 erbauten Kantorates mit seiner rechtwinkligen Durchfahrt stand vorher ein Torhaus. Der ummauerte Kirchhof diente auch als Begräbnisstätte. Obwohl der jetzige Friedhof seit Anfang des 17. Jahrhunderts besteht, wurden die Beerdigungen am Kirchhof erst 1829 eingestellt.

Die Baugestalt

Die Anordnung zweier an den Schmalseiten des Kirchenschiffes gegenüberliegender Kirchentürme ist äußerst selten (dreimal in Deutschland) und in der Form gleich hoher, spitziger Türme einmalig. Zugleich geben diese Zeugnis von der Baugeschichte.

Der Ostturm

Er stammt noch von der alten Pfarrkirche aus dem 13. Jahrhundert und ist weitgehend aus Bruchsteinmauerwerk erbaut.                                                                                          

Warum steht er noch? Beim Neubau einer größeren Hallenkirche im frühen 15. Jahrhundert blieb der im Turm befindliche Chor- und Altarraum bestehen. Seit 1754 wird dieser als Sakristei genutzt. Die schlanke Turmspitze stammt erst aus dem Jahr 1885.

Der Westturm                                                                                                                         

Warum wurde er überhaupt gebaut? Die Glockenstube des Ostturms war in geringer Höhe und beförderte den Schall unzulänglich in die Umgegend. Mit höherer Aufhängung der Glocken im freistehenden Westturm konnte man dieses Problem lösen.

Im Turmgeschoss mit spätgotischem Rippengewölbe finden wir über dem Eingang freigelegte Freskofragmente aus dem 15. Jahrhundert. Sie zeigen umrisshaft die thronende Herrlichkeit Gottes auf doppeltem Regenbogen, umgeben von den 24 Ältesten (nach Offenbarung Johannes). Dazu an der Westseite zwei barocke Altaraufsätze (1664), darüber ein Kruzifix.   

Die Glocken                                                                                                                            

Die älteste der drei in einem eichenen Glockenstuhl hängenden Glocken ist die vorreformatorische     (15. Jh.), dem Namen der Kirche entsprechende Marienglocke und deutet mit Marienbild und lateinischer Inschrift („Maria, Jungfrau aller Jungfrauen, tritt bei uns ein beim Herrn“) die spätmittelalterliche Marienfrömmigkeit an. Die beiden anderen Glocken wurden 1704 in Forchheim gegossen, tragen barocke Ornamente und die Inschriften „GLORIA IN EXCELSIS DEO IN TERRA PAX “ (Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden) sowie „INTERCEDE PRO NOBIS JESU CHRISTE“ (Tritt für uns ein, Christus!).

Die beiden jüngeren Glocken wurden 1942 vom nationalsozialistischen Staat beschlagnahmt, entgingen aber der Einschmelzung und konnten 1947/48 wieder glücklich in Empfang genommen werden.

Das Langhaus                                                                                                    

Zwischen den vorhandenen Türmen wurde in den Jahre 1752 -1754 eine dem Zeitgeschmack entsprechende Saalkirche im spätbarocken Rokokostil erbaut. Der alte Chor wurde durch eine Mauer abgetrennt und mittels Kanzelaltar alle liturgischen Vorgänge in den Langhausraum verlagert. Bauherr war der Ortspfarrer Kirschner, der 43 Jahre hier wirkte (1727 – 1770). Sein Bildnis hängt in der Sakristei. Großen Einfluss nahm auch der Kulmbacher Superintendent Silchmüller, zu dessen Diözese (heute Dekanat) Nemmersdorf damals gehörte. Die Stuckembleme und Malereien an der Kirchendecke wurden wohl von ihm angeregt und nicht von ungefähr wurde der Kulmbacher Baumeister Johann Georg Hoffmann mit den Plänen betraut, die er dann zusammen mit dem Bayreuther Baumeister Mader ausführte.

Der Altar                                                                                                                                              

Der reich verzierte Kanzelaltar wurde erstaunlicherweise erst zehn Jahre nach dem Neubau errichtet und stammt von dem Bayreuther Hofbildhauer Johann Gabriel Räntz. Der Altartisch aus Bencker Sandstein wurde 1954 vom Nemmersdorfer Steinmetzmeister Heinrich Pöhlmann geschaffen. Zu beiden Seiten sehen wir allegorische Figuren, die das Alte und Neue Testament darstellen. Über dem Kanzelbaldachin sehen wir außer Putten mit Girlanden das Spruchband “GLORIA IN EXCELSIS DEO“. Die deutsche Fassung „Ehre sei Gott in der Höhe“ finden wir über der Orgel wieder.

Die Kanzel

Kanzelaltäre bei denen sich die Kanzel mittig über dem Altartisch befindet, erlebten im 18. Jahrhundert einen Siegeszug. Sie zeigen die zentrale Bedeutung des in der Predigt vermittelten Gotteswort in lutherischen Kirchen. Die Bemalung des Kanzelkorbes erfolgte 1777 und besteht aus drei Bildern des Hofmalers Wilhelm Ernst Wunder: links Mose mit den Gebotstafel, rechts Johannes der Täufer und in der Mitte Jesus in der Krippe. Unter dem Baldachin schwebt eine Taube, die den heiligen Geist symbolisiert, der den Prediger erfüllen möge.

Das Kruzifix

Rechts vom Altar beherrscht ein fast lebensgroßer Kruzifixus die Szene. Er stammt mutmaßlich aus der Werkstatt Hans Leinbergers aus Landshut und wurde in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts aus Lindenholz geschaffen.

Der Herrenstand

Das ist die Bezeichnung für die Loge der Schlossherrschaft auf der anderen Kanzelseite. Sie war bis ca. 1830 vom Schloss her durch einen überdachten Steg, direkt zu erreichen. An der Außenseite ist der ehemalige Zugang noch erkenntlich. Bis 1714 war der Schlossherr der Kirchenpatron, danach wurde das Patronat vom Markgrafen direkt ausgeübt.

Zeichen der Herrschaft

Vom Kirchenpatron zur Bauzeit, dem Markgrafen Friedrich, gab es zwar beim Neubau keinerlei Zuwendungen, doch prangt am Orgelgehäuse das F für Friedrich und das markgräfliche Familienwappen, der Brandenburgische Rote Adler

Der Taufstein 

Auch die goldene Krone auf dem Deckel des Taufsteins weist auf die markgräfliche Herrschaft hin. Der Taufstein als Ganzes stammt auch vom Kanzelmaler Wunder (1779).

Die Orgel 

Das Orgelgehäuse stammt aus der Bauzeit, die heutige Orgel wurde 1912 vom Nürnberger Orgelbaumeister Johannes Strebel gebaut und hat 1970 eine technische Instandsetzung und klangliche Neugestaltung erhalten.

Die Deckengemälde      

Die Gemälde (Öl auf frischen Kalkputz) stammen vom Bayreuther Hofmaler Friedrich Marian Herold. Acht kleine Bilder in der Hohlkehle der Decke zeigen den Leidensweg Christi (beginnend rechts vom Altar gegen den Uhrzeigersinn): Fußwaschung - Einsetzung des Abendmals - Gebetskampf im Garten Gethsemane - Gefangennahme - Jesus vor Herodes - Geißelung - Kreuzigung - Kreuzabnahme.

Das große Deckengemälde zeigt als logische Fortsetzung den Sieg über den Tod in der Auferstehung.

                                                                                                                                      

 

Versenkung wir uns in dieses Bild mit der Beschreibung von Pfarrer Fellner (1967 - 2003).

 

Geradezu erheiternd ist es, in jenem Gemälde erwachsene, bewaffnete Männer wie vom Blitz getroffen übereinander stürzen sehen. Sie sollten die Unversehrtheit des Grabes Jesu garantieren, während die lebensschaffende Macht des Geistes Gottes eben dieses Grab aufgesprengt hat. Die Welt des Todes stürzt ohnmächtig zu Boden, während der Sieg des ewigen Lebens errungen und von Jesus Christus zur Schau gestellt wird. Über der ins Entsetzen gesteigert Dynamik der Grabwächter in schauriger Felsenschlucht erhebt sich die Ruhe der himmlischen Verklärung und die Schwerelosigkeit des auferstandenen Herrn inmitten einer in warmen Tönen erstrahlenden Gloriole. Leicht und behende hat ein Engel die gewaltige Grabplatte aufgehoben und zur Seite geschafft und richtet neugierige Blicke auf den auferstandenen Herrn.

 

Das Gesicht dieses Engels gleicht dem des Markgrafen Friedrich. Ob diese Huldigung vor dem göttlichen Gericht Bestand hat, weiß Gott allein.

Der Stuck                                                                                                                                                         

In der vielfältigen Stuckdecke, die Rudolf Albini 1752 schuf, zeigt sich der höfische Rokokostil in Vollendung. Zu allen Schmuckelementen aus Engelsköpfen, Rocaillen (Muscheln), Blumen und Blattwerk kommen auch hier biblische Botschaften vor (in den jeweiligen Ecken, rechts vom Altar beginnend): Schaubrote aus dem Heiligtum des Tempels - das Lamm Gottes auf dem Buch mit sieben Siegeln - die Gesetzestafeln plus Kreuz mit Lanze und Ysop - die Bundeslade mit den Cherubim.

Das Gestühl                                                                                                      

Ein weiterer Hofkünstler, Johann Conrad Reis, sorgte für die Bemalung am Gestühl und an beiden Emporen. Sie wurden nach Übermalung 1947 teilweise freigelegt bzw. nachgestaltet. An einigen Plätzen sind Platznummern und Initialen des Kirchenstuhlrechts von 1770 zu sehen.

Die Sakristei                                                                                                                                             

Sie beherbergt an den Wänden ein 1947 freigelegtes Freskofragment, vermutlich aus einer Weltgerichtsdarstellung. Dazu im südlichen Fenstergewand in Umrissen die Figur des Bischofs Nikolaus von Myra. Des Weiteren sehen wir ein Sandsteinepitaph (Grabmal) aus der Epoche der Schlossherren aus der Familie Schütz von Leineck von 1678 und ein Holzepitaph für den Nachfolger im Schlossbesitz, Baron von Tanner (+1714), sowie Epitaphbilder von dessen Besitznachfolger Graf von Gleichen mit Ehefrau. Dazu kommen Portraits dreier Pfarrer: Johannes Stumpf (+1714), Johann Georg Kirschner (s.o.) und Georg Christoph Hegner (er amtierte von 1695 bis 1726).

Weitere Ausstellungsstücke                                                                                                                

An den vorderen Säulen zur Rechten und Linken des Altars befinden sich zwei Vortragekreuze aus dem 17. und 18. Jahrhundert.                                                                                                                                

Zwei links vom Altar in jüngster Zeit angebrachte Gemälde zeigen Luther als Mönch und eine ikonenhafte Darstellung der Dreieinigkeit.

Kirche als Gotteshaus      

Bei all der reichen künstlerischen Ausstattung ist diese Kirche jedoch kein Museum, sondern Stätte der Verkündigung des rettenden Gotteswortes und Versammlungsort der hörenden, betenden und singenden Gemeinde.

 

So möge immer wieder am Kirchweihtag (letzter Sonntag im August) die Strophe erklingen:

 

Wir gehen in diesem Gotteshaus

ein Jahr nun wieder ein und aus

und hören da verkünden

den edlen Schatz, das Gnadenwort,

das uns entdeckt des Lebens Pfort,

Vergebung unserer Sünden.

Singet, bringet schöne Weisen

lasst uns preisen Gottes Gaben,

die wir hier genossen haben.